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Herausforderungen bei den Migranten


Für viele von den internationalen Menschen, die jeweils an den Festen der FEG teilgenommen haben, stellt die Coronazeit eine spezielle Herausforderung dar. 


Hier ein paar Beispiele:

  • Ich rufe eine Sudanesin an, um zu erfahren, wie es ihr geht: «Oh, Barbara, diese Corona! Zum Glück sind im Moment nur zwei meiner sieben Kinder schulpflichtig. Stell dir vor, wenn ich mit allen Schule machen müsste! Das ist ja so schwierig. Mein Mann ist auch zu Hause, weil er am Flughafen im Moment nichts zu tun hat. Alle sind zu Hause und ich muss so viel kochen, immer kochen, kochen, kochen! Niemand isst mehr im Hort oder in der Kantine. Es ist so schwierig!»
  • Von mehreren Frauen des Frauentreffs bekomme ich Anrufe, weil sie plötzlich ganze Rechnungen begleichen sollten, obwohl Ratenzahlungen vereinbart gewesen waren. Die Dienstleister haben Zeit, um noch ausstehende Zahlungen einzutreiben … Das erzeugt neben Corona und dem Home Schooling noch einen zusätzlichen Druck und Angst. Ich biete Hilfe an, so gut es geht.
  • Eine kongolesische Frau bittet um Hilfe, da sie den Hort ihrer drei Kinder weiterbezahlen muss (es wird später ausgeglichen) und sie jetzt aber alle zu Hause essen. Für ihre Haushaltskasse ist das eine zu grosse Last!
  • Für internationale Christen und Gemeinden haben wir Links zusammengestellt mit Sonntagschulideen. Als ich einen Vater mit seinen drei Söhnen per Zufall treffe, erzählt er begeistert, dass sie jetzt jeden Tag Zeit hätten, als Familie eine Andacht zu machen. «Wir haben von der Schöpfung bis Simson schon alles durchgearbeitet, dank der Links!»
  • Zu Ostern verteilten wir den Frauen des Frauentreffs ein kleines Geschenk mit einem Hinweis auf Jesus. Diese kleine Geste wird sehr geschätzt und wir bekommen viele positive Echos.
  • Die Evangelische Allianz zusammen mit den Landeskirchen der Stadt Winterthur verteilt einmal pro Tag eine Mahlzeit für Suchtkranke und Bedürftige. Markus Zürcher und ich teilen uns eine Tour. Es ergeben sich ganz verschiedene Begegnungen und etliche Möglichkeiten zum Gebet:
  • Ein serbischer Mann erscheint jeweils auf dem Balkon, wenn ich mit dem Essen komme: «Das ist so lieb von euch, dass ihr das Essen bringt. Es ist nicht selbstverständlich und ich schätze es sehr!» 
    «Ich lebe schon 30 Jahre in dieser Wohnung und seit 12 Tagen bin ich nicht mehr aus dem Haus gekommen! Da kenne ich die Aussicht vom Balkon und der Stube in- und auswendig!», erklärt ein älterer Herr mit Krücken aus dem 5. Stock (ohne Lift). Ich versuche nach einem kurzen Gebet auf etwas Positives zu lenken und sage ihm, dass er aber sicher Vögel hören könne von da oben. «Heute sind es viel weniger, als noch vor ein paar Jahren, aber» – und seine Augen beginnen plötzlich zu strahlen – «ganz neu hat es ein Greifvogelpärchen, das ich beobachten kann. Und wissen Sie, mitten in der Stadt! » Auf diese positive Note hin verabschiede ich mich.

    Als ich einen italienischen Mann frage, ob ich noch kurz für ihn beten könne, meint er ganz verständnislos: «Ja klar, ist doch logisch!»
 



Barbara Müller
ist seit 33 Jahren verheiratet mit Johannes und Mutter von 5 erwachsenen Kindern. Sie lebten als Familie während 14 Jahren in Guinea/Westafrika, wo sie mit der einheimischen Kirche in Partnerschaft in der Ausbildung und Begleitung von Kirchenverantwortlichen und Kindermitarbeitern arbeiteten. Seit 13 Jahren leben sie wieder in Winterthur und sind bei «MEOS interkulturelle Dienste» für die Arbeit unter afrikanischen Gemeindeleitern in der Schweiz tätig. In der Freizeit aquarelliert sie gerne.

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