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Hilfe - mein Kind ist eine Leseratte!

Kürzlich in der Bibliothek bei uns im Dorf. Ich stehe an der Theke mit mehreren Stapeln von Büchern. „Was - das alles lesen deine Mädchen? Aber nicht in einem Monat, oder?“, fragt mich die Frau hinter mir, selbst Mutter eines Kindes im Alter meiner Maxis. Als ich erwidere, dass der Stapel höchstwahrscheinlich für nicht länger als etwa zwei bis drei Wochen ausreichen wird, wirft sie mir einen sehnsüchtigen Blick zu. Sie sei schon froh, wenn ihre Tochter jeweils ein einziges Buch lese.

Mir wird schlagartig bewusst: Ich schlage mich da mit einem echten Luxusproblem herum. Ich mache mir Gedanken darüber, dass wir einmal mehr eine riesige Schlange hinter uns provozieren, weil wir zu fünft auf mindestens 50 ausgeliehene Artikel kommen (der Rekord liegt meines Wissens bei 74…). Und ich ärgere mich, dass wir kiloweise Bücher nach Hause schleppen und dennoch unweigerlich in kurzer Zeit bereits wieder ein Kind bei mir ankommen wird und sich beklagt, es hätte bereits alles gelesen und nun brauche es Nachschub.

Aus Verzweiflung über die Unmengen an Büchern, die wir jeweils in die Ferien mitschleppen müssen, haben wir den Maxis zu Geburtstag und Weihnachten bereits ihre eigenen E-Reader geschenkt. Nur leider finden sie in der Online-Bibliothek oft nicht, was sie suchen - und die Bücher aus beliebten Reihen wie „Die drei !!!“ (richtig gelesen, !!! - das ist quasi die Girlie-Version von „Die drei ???“) sind so gut wie immer bereits verliehen. Die E-Reader taugen deswegen nur begrenzt als Ersatz zum Gang in die Bibliothek.

Wie gesagt, ich will mich ja gar nicht beklagen. Das die Mädchen von sich aus so begeistert lesen, ist genial. Ich selbst liebe Bücher. Es fasziniert mich immer wieder, wie es möglich ist, durch die simplen Papierseiten in eine völlig andere Welt einzutauchen. Eine Welt, die mich oft auch nach der Lektüre noch beschäftigt. Was gibt es Schöneres, als die letzte Seite eines Buches zu beenden und wehmütig Abschied zu nehmen von den inzwischen lieb gewonnenen Hauptfiguren? Kürzlich bat Maxi1 mich, eines ihrer Bücher zu lesen, weil sie es so toll gefunden hatte und gerne mit mir darüber reden wollte - was kann mir als leidenschaftliche Leserin und Mutter Besseres passieren? Dass das viele Lesen auch noch pädagogisch wertvoll ist, ist eher ein netter Nebeneffekt für mich.

Dennoch, diese Bücherbegeisterung hat auch Nachteile. Die angesprochenen Bücherberge sind einer davon. Dank unserer Bibliothek sind die meisten Bücher bei uns zwar nur ausgeliehen, aber Platz brauchen sie dennoch - und die regelmässige Schlepperei ist nicht zu unterschätzen. Ich liebe die Bibliothek, aber es ist gar nicht so einfach, regelmässig Zeit zu finden, um mit allen Kindern hinzugehen (zumal die Öffnungszeiten sich ja nicht immer an unserem persönlichen Rhythmus orientieren…). Und alle Bücher zum Zurückgeben zusammenzusuchen ist immer ein Kraftakt - mir ist ein Rätsel, wie selbst grosse Bilderbücher spurlos in einem Haus verschwinden können…

Weil unsere Kinder so fleissig lesen, ist es zudem gar nicht mehr so einfach, neues Lesefutter in der Bibliothek zu finden. Die Ansprüche sind auch nicht ganz einfach zu erfüllen. Bücher, die eigentlich für 8jährige gedacht wären, haben meine Maxis in einem rasanten Tempo durchgelesen - und sie langweilen sich oft dabei, weil ihnen diese Bücher zu einfach sind. Dickere und komplexere Bücher hingegen überfordern sie dann häufig inhaltlich oder emotional (jedenfalls meiner Meinung nach - sie selbst sehen das natürlich gaaaanz anders). Wenn sie ein spannendes Buch mit Begeisterung lesen, danach aber von Albträumen geplagt werden, ist das meines Erachtens wenig sinnvoll. Anfangs habe ich viele Bücher rasch selber gelesen, bevor ich sie ihnen gab, um abschätzen zu können, ob diese sie nicht überfordern würden. Inzwischen würde das meine Kapazität definitiv sprengen…

Die Suche nach guten Büchern, die sie genügend herausfordern, ohne sie zu überfordern, gestaltet sich ganz schön herausfordernd. Und wenn ich dann auf passende Buchtitel stosse, sind diese längst nicht immer in der Bibliothek zu finden (oder dauernd bereits verliehen). Ich möchte meinen Töchtern nicht laufend Bücher kaufen - aus finanziellen Gründen, um sie nicht zu verwöhnen, und nicht zuletzt auch aus Platzgründen (unsere Regale platzen eh schon aus allen Nähten). Eine sinnvolle Möglichkeit sind sicher gebrauchte Bücher. Diese finden sich im Internet (neben dem Giganten Amazon bieten zB auch decotoys.ch, buchplanet.ch oder die Tauschbörse exsila.ch gebrauchte Bücher zum Kauf (und kaufen auch gebrauchte Bücher an). Auch auf Flohmärkten finden sich oft wahre Schätze, und viele Kinderkleiderbörsen bieten Bücher zum Kauf an. Auch die Stägetritt-Kleiderbörse Buntspächt führt gebrauchte Bücher für alle Altersstufen. Das Platzproblem bleibt hier natürlich bestehen, es sei denn, man verkauft die fertig gelesenen Bücher regelmässig wieder (was mit einem gewissen Aufwand verbunden ist).

Der E-Reader schafft beim Platzproblem Abhilfe. Unsere Maxis kommen gut damit zurecht, auch wenn sie das Gefühl eines „echten“ Buches in der Hand vorziehen. eBooks sind in der Regel etwas billiger als Taschenbücher, es gibt eine Online-Bibliothek, die eBooks verleiht (in der Sparte Kinderbücher ist das Angebot dort aber noch ausbaufähig). Der grosse Nachteil von eBooks: Es ist nicht möglich (und vor allem auch nicht legal), sie weiterzuverkaufen.
Eine spannende Möglichkeit sind sogenannte eBook-Flatrates. Sie funktionieren ähnlich wie der Musikanbieter Spotify. Für einen bestimmten monatlichen Betrag können unbeschränkt Bücher online (und je nach Abo auch für einen begrenzten Zeitraum offline) gelesen werden. Diese bleiben nicht dauerhaft auf dem eReader gespeichert, sondern werden nach der Lektüre „zurückgegeben“. Noch habe ich keine solche Flatrate ausprobiert, das Angebot scheint mir aber recht praktisch. eBook-Flatrates gibt es zB bei skoobe.de oder Amazon. Ärgerlicherweise sind diese Dienste nicht auf allen eReadern nutzbar, skoobe läuft bisher sogar nur auf Tablets und Smartphones…

Wie löst ihr das Problem mit euren Leseratten? Und welche Kinderbücher könnt ihr empfehlen?





Michelle Boss
, 35, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 8einhalb, 8einhalb, 5 und 3einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Ist ein grosser Fan der Bibliothek in ihrem Dorf.

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