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Kochen für Kinder - eine Wissenschaft für sich

Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, ich hätte alles richtig gemacht, was das Essverhalten meiner Töchter angeht. Schon als Babys hatte ich ihnen so ziemlich jedes Gemüse in Breiform angeboten, das mir in den Sinn kam. Von Süsskartoffel über Aubergine bis hin zu Fenchel liess ich nichts aus. Auch danach kochte ich vielfältig und lebte ihnen vor, von allem zu probieren. Die ersten Jahre assen die Maxis tatsächlich alles. Und dann, ganz plötzlich - fast gar nichts mehr.

Seither weiss ich: Ich kann das Essverhalten meiner Kinder nur sehr bedingt beeinflussen. Ich möchte mich von ihrem mäkligen Geschmack aber nicht terrorisieren lassen. Weder kann ich mir vorstellen, mehrere Menus gleichzeitig zu kochen, um alle zufriedenzustellen, noch habe ich Lust, meinen Menuplan einzuschränken. Das wäre auch kaum erfolgversprechend, da unsere Töchter auch noch äusserst unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen haben. Es gibt tatsächlich nur eine Handvoll Menus, die alle vier Kinder mit Begeisterung essen - und wenn das Menu auch noch gesund sein soll, ist die Auswahl noch eingeschränkter.

Dabei ist es noch nicht mal mein Hauptproblem, ihnen etwas Gemüse unterzujubeln. Auch wenn kein Kind eine übermässig grosse Auswahl an Gemüse ist, alle essen ein paar verschiedene Sachen, und ich mache mir keine grosse Sorgen, dass sie zu kurz kommen in Bezug auf Vitamine. Aber bei den Beilagen scheiden sich bei uns die Geister. Ich habe eine Tochter, die Kartoffeln nicht mag - es sei denn, sie kommen in Form von Ofenkroketten, Pommes Frites oder Rösti daher. Eine weitere Tochter liebt Kartoffeln über alles, mag aber keine Rösti. Reis mögen zwei Kinder nicht, Nudeln essen einige nur in Form von Penne und Spaghetti ohne Protest. Ein Kind mag sogar alle drei der genannten Beilagen nicht! Spätzli, Gnocchi, Couscous, Polenta, Tortellini, Risotto, Milchreis - davon sind jeweils ein bis zwei Kinder begeistert, mindestens eines kriegt davon beim besten Willen nichts runter. Und dann hab ich noch ein Kind, welches Tomaten in jeglicher Form (ausser als Ketchup) verschmäht - selbst als hauchdünne Sosse auf der Pizza.

Es ist also grundsätzlich so, dass bei so gut wie jedem Mittagessen mindestens von einem Kind lautstarker Protest zu hören ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich beim Essen (wie ja eigentlich auch in allen anderen Fällen) nur verlieren kann, wenn ich mich auf einen Machtkampf einlasse. Also gilt bei uns die Regel: Ich bestimme, was auf den Tisch kommt, das Kind entscheidet, wie viel es davon isst. Was allerdings nur zu oft bedeutet, dass ein Kind vom Tisch geht, ohne auch nur einen einzigen Bissen gegessen zu haben (abgesehen vom winzigen „Probiererli“ auf das ich bei jeder Mahlzeit bestehe). Das macht meinen Kindern überhaupt keinen Eindruck. Obwohl sie wissen, dass sie bis zum Zvieri nichts mehr zu essen bekommen werden, haben sie kein Problem damit, mit leerem Magen vom Tisch zu gehen.

Davon verhungern sie natürlich nicht. Sie hauen dann dafür bei der nächsten Mahlzeit um so mehr rein, essen auch problemlos viele Früchte, und Abends eine Menge Brot. Trotzdem, gerade wenn Nachmittags nochmal Schule auf dem Programm steht, finde ich es nicht toll, wenn sie hungrig losziehen. Eine Weile hab ich ihnen deswegen als Ersatz für ein ungeliebtes Essen jeweils Brot angeboten. Das Problem ist: Alle meine Töchter mögen so gerne Brot, dass ich dann oft als Einzige vom sorgfältig gekochten Zmittag ass. Brot (und aus demselben Grund auch Früchte) als Ersatz taugt bei uns also nicht so recht.

Inzwischen versuche ich es möglichst so zu lösen, dass ich bei jeder Mahlzeit zumindest Rohkost oder einen Salat anbiete, den alle mögen (unsere Kinder lieben beispielsweise Randensalat). Oder  ich ergänze das Menu mit Apfelmus (manchmal selbst gemacht, oft auch gekauft) - das kommt bei uns immer an. Da bin ich inzwischen echt schmerzfrei, auch wenn die Kombi für mich selber überhaupt nicht passt (drei meiner Kinder lieben beispielsweise Basmatirais mit Thai-Curry und Apfelmus, eine Kombi bei der sich mir selber fast der Magen umdreht. Die vierte Tochter mag das Curry nicht, isst aber klaglos den normalerweise verhassten Reis mit Apfelmus vermischt…). Manchmal hilft es auch, wenn ich zusätzlich eine ganz einfache Bratensauce auftische (auch hier für meinen Geschmack oft ziemlich unpassend zum restlichen Menu), damit werden Beilagen bei uns auch eher gegessen.

Gibt es ein Essen, bei dem es nicht möglich ist, sich einzelne Komponenten rauszupicken (beispielsweise Wähe oder einen Griessgratin), schaue ich, dass es für die Kinder, welche das Essen nicht mögen, Reste gibt, die sie sich wärmen können.

All diese Dinge lassen sich mit relativ wenig Aufwand realisieren. Ich mag nicht auf Abwechslung und all das Essen verzichten, das ich selber gerne esse. Und trotzdem - ich bin ständig auf der Suche nach Menus, die alle Kinder zumindest essen, und die auch noch halbwegs gesund sind. Experimente lege ich jeweils auf den Mittwoch, da haben alle Kinder Nachmittags frei und können auch mal mit knurrendem Magen vom Tisch gehen. Hin und wieder erlebe ich nämlich auch eine Überraschung: Da koche ich etwas vermeintlich kinderuntaugliches - und ein Grossteil der Kinder ist begeistert.

Viel öfter ist es allerdings bei etwas ausgefalleneren Menus so, dass ich letztlich drei Vorratsdosen voller Reste habe, die ich alle alleine aufessen sollte. Vielleicht müssten wir Eltern mal eine „Eltern-Essen-Tauschbörse“ einrichten - dann könnten wir uns gegenseitig mit leckerem Erwachsenen-Essen versorgen, hätten keine Problem mit Resten mehr und könnten unsere Kinder mit Würstli, Kartoffelstock und Erbsli zufriedenstellen (wobei das bei uns auch schon wieder nicht alle essen würden…). Und uns mit dem üblichen Mantra verzweifelter Eltern trösten: „Es isch alles nur e Phase…“

Habt ihr gute Tipps, wie man den Menuplan für Kinder gestalten kann? Kennt ihr besonders "kindertaugliche" Menus? Und wie handhabt ihr den alltäglichen Kampf am Mittagstisch?





Michelle Boss
, 35, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 8, 8, 5 und 3einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Sitzt oft Stunden am wöchentlichen Menuplan.

1 Kommentar

Sonntag, 11.02.2018, 22:19

Redaktion

Ich lasse mich übrigens immer wieder auch gerne im Internet inspirieren. Besonders mag ich den Foodblog www.loumalou.ch, dort finden sich tolle, kindertaugliche Rezepte. Aber auch viele andere Blogs und Internetseiten liefern tolle Ideen. Einfach mal bei Google "Kinder+Kochen" eingeben...