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Schulstart - auch für Mütter ist der Terminstress zurück

Als Hausfrau oder Hausmann hat man ja eigentlich nie so richtig Ferien. Kinderbetreuung und Haushalt fallen schliesslich auch in den Ferien an. Sogar oft mehr als ausserhalb der Ferien, schliesslich sind die Kinder im Gegensatz zur Schulzeit rund um die Uhr zu Hause. Trotzdem empfinde ich die Ferien immer als mehr oder weniger erholsam. Lange habe ich mich gefragt, warum das so ist. Nun wurde mir der Grund klar: In dieser Zeit komme ich oft fast ohne Agenda und Uhr aus. Kein Jonglieren mit Terminen, kein Zeitdruck zwischen Schulschluss und Hobbys. Denn genau diese alltäglichen Management- und Logistikaufgaben sind es, die mir so viel Energie rauben.  

Ein zufällig ausgewählter Nachmittag aus dieser ersten Schulwoche nach den Ferien zeigt deutlich, weshalb Hausfrauen und Hausmänner absolute Managementsprofis sein müssen:

12:07    Midi kommt nach Hause. Sie ist zum ersten Mal ganz alleine aus dem Kindergarten nach Hause gelaufen, das will natürlich gebührend bewundert werden. Ich versuche nebenher, die Sosse vor dem Anbrennen zu bewahren.
12:10    Maxi2 trifft ein. Sie will sofort ihren Rucksack für die morgige Schulerreise packen. Ich vertröste sie auf nach dem Mittagessen. Sie schmollt.
12:20    Auch Maxi1 ist jetzt da. Midi und Mini haben inzwischen den CD-Player angestellt, wollen jetzt kein Mittagessen. Maxi1 hat aber bald    wieder Schule, wir habens eilig.
12:50     Ich räume im Eiltempo den Tisch ab, damit Maxi1 schon mal mit ihren Hausaufgaben beginnen kann. Sie wird nach der Schule Nachmittags nur wenig Zeit dazu haben. Maxi2 will nun endlich ihren Rucksack packen, ich helfe ihr dabei.
13:15    Fast hätte ich vergessen, Maxi1 wieder loszuschicken. Nun muss sie sich beeilen, um nicht zu spät zur Schule zu kommen. Die Hausaufgaben hat sie etwa zur Hälfte geschafft.
13:30     Endlich Mittagspause
13:50    Midis Chindsgi-Gspänli meldet sich, möchte sich mit ihr verabreden. Ich bespreche kurz mit Midi, ob sie das auch möchte - natürlich ist sie begeistert.
14:10    Die Logopädin von Maxi1 ruft an, um das neue Semester zu besprechen. Es ist ein gutes Telefongespräch, dauert aber viel zu lang - Midi sollte langsam los.
14:30    Ich begleite Midi zu ihrem Gspänli. Sie wohnt ganz in der Nähe, Midi kennt den Weg aber noch nicht. Ich unterhalte mich kurz mit dem Vater des Mädchens, wir kennen uns noch nicht gut. Auch das Haus darf ich kurz anschauen. Jetzt aber nichts wie los nach Hause, Mini muss schon bald ins Tanzen.
14:55    Mini probiert das dritte Tanzoutfit in Folge an, findet es unbequem, fängt an zu trotzen. Sie will jetzt plötzlich gar nicht mehr ins Tanzen. Dabei hat sie das letzte halbe Jahr fast täglich gequengelt, wann sie denn nun endlich auch da hin dürfe (ihre grossen Schwestern sind alle begeisterte Hobbytänzerinnen). Ich bin kurz davor, sie in Unterhosen beim Tanzen abzuliefern, schaffe es schliesslich doch noch, ihr eine Elfenverkleidung schmackhaft zu machen. Als ich sie schliesslich beim Tanzen abliefere, bin ich nassgeschwitzt.
15:20    Endlich habe ich Zeit, mich Maxi2 zu widmen. Sie hat heute zum Glück beste Laune, hat bereits ihre Hausaufgaben gemacht und erzählt mir begeistert, wie sehr sie sich auf ihre Schulerreise freut.
15:40    Maxi1 kommt aus der Schule zurück, ich mache den Zvieri parat. Maxi1 muss sich beeilen, sie hat später noch Flötenunterricht.
15:55    Ich muss Mini wieder vom Tanzen abholen. Sie strahlt jetzt von einem Ohr zum anderen und will am liebsten gleich noch eine Stunde anhängen. Die Tanzlehrerin informiert mich, dass sich die Tanzstunde ab nächster Woche um 50 Minuten verschieben wird. Ich überschlage kurz unser Programm. Das bedeutet, dass künftig Maxi1 genau dann das Haus verlassen und in den Flötenunterricht fahren sollte, wenn ich unterwegs bin um Mini vom Tanzen zu holen. Hm…
16:10    Mini will jetzt ihren Zvieri. Maxi1 braucht Hilfe bei den Hausaufgaben. Während ich mich ihr widme, verschwindet Mini nach oben, schreit kurz darauf wie am Spiess. Sie hats nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette geschafft. Während ich das Unglück beseitige, schimpft von unten Maxi1. Sie braucht Hilfe. JETZT.
16:30    Draussen scheint sich ein Gewitter zusammenzubrauen. Ich muss dringend die Wäsche von der Leine nehmen, bevor der Regen kommt.
16:45    Ich erinnere Maxi1 daran, ihre Flötensachen zusammenzusuchen. Inzwischen stürmt es draussen stark, man hört erstes Donnergrollen. Bei dem Wetter will ich Maxi1 nicht alleine in den Flötenunterricht fahren lassen.
16:55    Ich fahre Maxi1 in den Flötenunterricht. Inzwischen ist das Gewitter in vollem Gange.
17:05    Midi steht vor der Tür, sie wurde nach Hause begleitet. Sie ist glücklich, aber müde. Auch Mini ist nun wieder schlecht gelaunt, die beiden streiten heftig. Ich versuche zu schlichten, bin aber nur mässig erfolgreich.
17:45    Zeit, um Maxi1 abzuholen - es blitzt und donnert nach wie vor. Maxi2 möchte mitkommen, lässt sich dann aber überreden, ein letztes Mal auf die Kleinen aufzupassen. Ich habe ein schlechtes Gewissen - sie ist heute total zu kurz gekommen.
18:00    Ich warte seit 10 Minuten auf Maxi1. Die ersten 10 Minuten an diesem Nachmittag, an denen ich einfach nur dasitze, ohne zu reden, ohne zu schlichten, ohne zuzuhören. Ich geniesse die kurze Ruhepause richtiggehend. Schliesslich liegt nun noch die oft ebenfalls anstrengende Abendroutine vor mir…

Wenn ich mir diesen Ablauf so anschaue - kein Wunder, fühle ich mich im Alltag oft leicht atemlos. Und kein Wunder geniesse ich die Ferien jedes Mal so. Ich lerne so langsam, die Ferien jeweils auch wirklich zu nutzen, um möglichst viel terminfreie Zeit geniessen zu können und sie so wenig wie möglich zu verplanen. Lieber schlage ich mich ab und zu mit Langeweile herum, als diese so wichtigen Atempausen zu verpassen.

Kennt ihr diesen Terminstress auch? Und wie sorgt ihr dafür, dass euch als Mütter das alles nicht zu viel wird? Wir freuen uns über Kommentare!






Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter zwischen 3 und bald 8 Jahren), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch.

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