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Forscher geben Tipps gegen Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen

In einer gross angelegten Studie ist ein Forscher-Team dem Onlineverhalten Schweizer Jugendlicher auf den Grund gegangen. Sie fanden dabei auch Faktoren, die dabei helfen, dass Jugendliche nicht in eine Onlinesucht rutschen.

Alle zwei Jahre untersucht die JAMES-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen. Über die Ergebnisse der letzten Studie haben wir letztes Jahr hier berichtet. Nun haben die Macher der Studie einen Aspekt vertieft ausgewertet: Das Onlineverhalten Schweizer Jugendlicher.
 
Sie kommen zum Schluss, dass insbesondere Smartphones und Tablets durchaus süchtig machen können - auch wenn mit 80% der grösste Teil der Jugendlichen eine unproblematische Internetnutzung aufweist.

Basierend auf den Erkenntnissen aus der JAMES-Studie formulieren die Forscher einige Tipps für Eltern:

Erwachsene und insbesondere Eltern sind Vorbilder:
Kinder und Jugendliche schauen sich im Verhalten mehr von ihren Eltern ab, als diesen manchmal bewusst ist. Schon im Vorschulalter registrieren sie, wie wichtig digitale Medien im Leben ihrer Eltern sind. Es kann sich für Erwachsene lohnen, das eigene Medienverhalten auch zu reflektieren oder die Einschätzung der Kinder diesbezüglich einzuholen.

Bei der Anschaffung von neuen Geräten:
v.a. bei Kindern und jungen Jugendlichen bereits im Voraus Regeln aufstellen, wie damit umgegangen wird, um Kontrollverlust zu verhindern. Dies gilt nicht nur bei Smartphones, sondern insbesondere auch bei Tablets.

Alternativen aufzeigen und anbieten:
Auch wir Erwachsenen wissen, dass es gewissen Situationen gibt, in denen wir bevorzugt zu Handy/Tablet greifen. Deswegen ist es wichtig, mit den Kindern Alternativen zu suchen. Wie kann man mit Langeweile umgehen? Welche Angebote nutze ich bei verschiedenen Fragen? Was mache ich, wenn es mir nicht so gut geht?

Herkömmlichen Wecker nutzen:
Um das Handy nicht beim oder im Bett haben zu müssen, kann (wieder) ein herkömmlicher Wecker verwendet werden. Auch wir Erwachsenen kenne das - nur kurz auf die Uhr schauen oder den Wecker stellen führt oft dazu, dass gleich auch die Nachrichten gecheckt werden, dann liest man sich durch die News…

Mobbing oder Cybermobbing:
Bei Mobbing oder Cybermobbing-Erfahrungen den sozialen Rückzug gut beobachten und rasch Hilfe anbieten. Die Gefahr, dass ein Kind oder Teenager nach einem solch belastenden Erlebnis die Mediennutzung als Strategie sieht, mit negativen Gefühlen umzugehen, ist gross. Die Studie zeigt, dass Opfer von Cybermobbing sich nicht von sozialen Medien zurückziehen.

Selbstwirksamkeit:
Nicht mediale Aktivitäten fördern, bei denen sich die Jugendlichen als kompetent erleben und Anerkennung erhalten. Sie sollten lernen, mit vorübergehenden Misserfolgen souverän umzugehen. Dadurch stärkt sich das Empfinden von Selbstwirksamkeit.
Funktioniert das im „echten Leben“ nicht, wird oft im virtuellen Raum danach gesucht. In Games gibt es z.B. Punkte und in Sozialen Netzwerken «likes». Dies wirkt dann besonders anziehend, wenn es in anderen Bereichen nicht so gut funktioniert, sie z.B. auf eine Prüfung lernen aber keine gute Note bekommen.
Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche Selbstwirksamkeit erleben können, sind beispielsweise Musizieren, Gestalten, Malen, die Betreuung von Haustieren oder Zeitschriften lesen. Es hilft also gegen Onlinesucht, wenn Jugendliche ein solches Hobby haben.


Die vertiefte Auswertung der JAMES-Studie könnt ihr hier in voller Länge nachlesen.





Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, 4 und 3), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Hofft, dass das Thema "Handynutzung" bei ihren Töchtern erst in ein paar Jahren aktuell wird...

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