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4 Kinder - grössenwahnsinnig?

Eine grosse Familie zu haben bedeutet viel Freude, aber auch viel Arbeit und Chaos. Da taucht schonmal die Frage auf: Waren wir bei der Familienplanung eigentlich grössenwahnsinnig?

Kürzlich durften Midi und Mini eine Nacht bei ihren Grosseltern verbringen. Wir nutzten den Abend, um unseren Grossen etwas Besonderes zu bieten: Wir gingen ins Restaurant essen. Zwar nur in die Dorfbeiz bei uns um die Ecke, dennoch war das eine Premiere: Abends waren wir noch nie mit unseren Töchtern im Restaurant gewesen (mal abgesehen von Schnellimbissen oder Restaurants in Ferienanlagen). Die beiden haben den Anlass denn auch gebührend genossen und waren schier unglaublich brav.

Wir sassen also zu viert am Tisch, unterhielten uns in gedämpfter (!) Lautstärke, reichten einander bei Bedarf ganz gesittet den Reibkäse oder das Mineralwasser. Es war grossartig! Als unsere Töchter schliesslich (selbständig!) auf die Toilette gingen, schauten mein Mann und ich uns an und meinten: „So also wäre es, hätten wir uns auf zwei Kinder beschränkt.“ Wir waren uns einig - es wäre unglaublich entspannt im Vergleich mit unserem sonst oft turbulenten Alltag.

Natürlich ist der Vergleich unzulässig. Schliesslich haben unsere Mädchen sich extra richtig gut benommen, sie wussten ja, dass wir ein solches Experiment ansonsten nicht mehr wiederholen würden. Dass der Abend so entspannt war, lag zudem sicher auch daran, dass wir mit unseren beiden Ältesten unterwegs waren. Klar, dass eine knapp Dreijährige noch nicht so lange stillsitzen kann und für mehr Trubel sorgt.

Dennoch, einen kurzen Moment lang kam ich ins Grübeln. War unser Entschluss, eine Grossfamilie zu gründen, zu wenig durchdacht? War er gar grössenwahnsinnig? Wäre es für alle Beteiligten besser gewesen, wir hätten uns auf zwei Kinder beschränkt, könnten uns dadurch tollere Ausflüge und Reisen leisten und hätten mehr Energie für ungewöhnliche Events? Wäre es nicht schön, etwas weniger Stress zu haben? Kurz - wäre unser Leben schöner, wenn unsere Familie kleiner wäre?

Die Frage ist reichlich sinnlos. Midi und Mini gehören zu unserer Familie untrennbar dazu, wir lieben sie über alles und wünschen uns auf gar keinen Fall, sie wären nicht da. Und als sie am folgenden Tag wieder nach Hause kommen und alle vier Mädchen im Garten herumtoben, bin ich mindestens ebenso glücklich wie am Vorabend. Ich liebe es, unseren Töchtern beim Spielen zuzuschauen. Ich bin glücklich, dass sie kaum je allein sein müssen, wenn sie das nicht wollen, und sich ihre Spielkameradin innerhalb der Familie oft sogar aussuchen können. Es ist toll zu sehen, wie Mini und Midi zu ihren grossen Schwestern hochschauen und sie kopieren, wie die Grossen sich um die Kleinen kümmern und sich auf ihre Spiele einlassen, wie andrerseits Midi und Mini sich gegen die Maxis verbünden.

Ich mag den Trubel, der bei uns herrscht, die quirlige Atmosphäre. Dass immer etwas los ist. Dass wir kaum Spielzeug in die Ferien mitnehmen müssen, weil die Mädels ja einander haben zum Spielen. Dass unsere Töchter schon früh lernen müssen, zu teilen und Rücksicht zu nehmen, aber auch sich durchzusetzen.

Ich als Mutter habe meine vier Racker gebraucht, um gelassen und entspannt zu werden. Um nicht Gefahr zu laufen, sie zu verwöhnen oder zu sehr zu überwachen. Mit nur zwei Kindern wäre ich eine andere Mutter - und würde meinen Alltag vermutlich nicht als entspannter wahrnehmen, als ich meinen 6-Personen-Haushalt erlebe.

Um auf die Frage zurückzukommen: Wäre unser Leben schöner, wenn unsere Familie kleiner wäre? Es wäre vermutlich ein etwas weniger stressiges Leben mit etwas weniger Chaos und Lärm und etwas weniger Arbeit. Es wäre aber nicht mein Leben, nicht unser Leben. Grössenwahnsinnig hin oder her - hätte ich nochmal die Wahl, ich würde mich sofort und ohne zu zögern wieder für jedes einzelne meiner vier Kinder entscheiden.





Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, 4 und bald 3), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Hat sich immer schon eine grosse Familie gewünscht.

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