>

"Alles nu e Phase"

Fleissige Social Media-Nutzer sind vermutlich bereits auf das Video von Sam National gestossen, indem er die Durchhalteparole aller Eltern besingt: „Es isch alles nu e Phase“.
Grossartig, wie der Song genau all diese fiesen kleinen Momente schildert, die den Elternalltag hin und wieder echt anstrengend machen.
Wer den Video noch nicht kennt - unbedingt anschauen!

Wer von uns hat noch nie erlebt, dass erfahrenere Eltern auf unser Jammern über Schwierigkeiten mit unseren Kindern halb abgebrüht, halb tröstend antworten: „Weisch, das isch alles nu e Phase“. Nur taugt der Satz als Trost eher wenig, wenn er von Aussenstehenden ausgesprochen wird. Wenn ich vor lauter Übermüdung selbst in Gesprächen kurz wegdöse, weil mein Baby mich nicht schlafen lässt - dann will ich einfach nur, dass das aufhört. Jetzt. Nicht erst, wenn die Phase vorbei ist. Und wenn mein 3jähriges sich regelmässig an den unpassendsten Orten schreiend auf den Boden schmeisst - dann tröstet mich die Aussicht herzlich wenig, dass die Trotzphase nur ein paar Jahre dauert…

Ganz abgesehen davon, dass man anderen oft kaum glauben mag. Ich werde wohl nie vergessen, wie mein Mann und ich eines Nachts im Bett lagen, unsere 6monatigen Zwillinge laut brabbelnd neben uns im Bett, und wir uns ansahen und beinahe gleichzeitig ausstiessen: „Wir werden NIE WIEDER richtig schlafen! NIE WIEDER!“. Ganz ehrlich, ich hab das in dem Moment wirklich geglaubt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie wir diese Phase durchstehen und überwinden sollten. Da half es auch nichts, wenn mir Freunde versicherten, dass alles besser werden würde.

Dennoch. Inzwischen, 7 Jahre und weitere 2 Kinder später, hat der Satz „alles nu e Phase“ für mich durchaus etwas tröstliches. Weil ich die Erfahrung wieder und wieder gemacht habe - Phasen gehen vorbei. Das tun sie tatsächlich. Und oft von einem Moment auf den anderen, gerade dann, wenn ich das Gefühl habe, jetzt geht gar nichts mehr.

Deswegen ist es für mich heute extrem wohltuend, von erfahren Müttern zu hören: Das, was du grade erlebst, das ist kein Erziehungsfehler deinerseits und auch nicht eine Frage des Charakters deines Kindes - das ist schlicht wieder eine dieser Phasen.

Die Sache mit der Phase ist für mich mehr als eine Durchhalteparole. Sie hilft mir dabei, nicht in Überaktivität zu verfallen. Nicht bei jedem Problem gleich alle Hebel in Bewegung zu setzen, um es zu lösen. Manchmal ist es tatsächlich das Beste, eine Phase einfach auszuhalten. Sich quasi von der Welle treiben zu lassen, zu akzeptieren: „Ja, im Moment ist es furchtbar anstrengend. Ich will so nicht auf Dauer leben. Aber für den Augenblick ist es ok. Ich halte das aus.“ Und dann einfach abzuwarten, bis die Phase vorüber ist.

Wie erlebt ihr das? Tröstet euch der Gedanke, dass alles nur eine Phase ist? Oder findet ihr den Satz eher nervig?




Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, 4 und 2einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Wartet grad sehnsücht drauf, dass die "mit-herumligenden-Stiften-sämtliche-Möbel-und-Wände-und-Hausaufgaben-der-Geschwister-Anmahl-Phase" ihrer Jüngsten vorübergeht.

0 Kommentare



Passwort vergessen?






kommentieren

Bitte anmelden um Kommentare zu erfassen.