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Krieg und Terror - Wie helfe ich meinen Kindern, damit umzugehen? (1/4)

Terrorattentate, Krieg - unsere Kinder werden dieser Tage immer wieder mit erschreckenden Meldungen konfrontiert. Sie davor zu beschützen ist kaum möglich - und wohl auch nicht sinnvoll. Wie aber helfen wir ihnen beim Verarbeiten solcher Nachrichten?
In einer vierteiligen Serie gibt Psychotherapeut Didier Kramer Anregungen dazu.
Im ersten Teil motiviert er Eltern dazu, sich zunächst über ihre eigene Haltung im Zusammenhang mit Angst und Schrecken klar zu werden.

Brennendes Öl schiesst aus dem Boden und schwarze Wolken verdecken den Himmel. Diese Bilder vom Golfkrieg sind die ersten Fernsehbilder, die sich in mein junges Bubenhirn gebrannt haben, so dass ich sie noch heute innerlich vor mir sehe. Verstanden habe ich die Bilder damals nicht. 11. September 2001. Die Nachricht über den Terroranschlag auf die Twin Towers erreichte mich in einem Camp. Damals noch ohne Smartphone konnte ich die Bilder erst einige Tage später ansehen. Heute – 15 Jahre später – sind solche und ähnliche Meldungen ziemlich häufig geworden. Wahrscheinlich verstehe ich sie auch heute nicht. Angst und Unsicherheit lösen sie trotzdem oder vielleicht gerade deswegen immer wieder aus.

Genauso sind unsere Kinder heute mit vielen solcher erschreckenden Meldungen konfrontiert. Vielleicht nur indirekt durch Gespräche auf dem Pausenhof. Es gelingt uns kaum, sie davor zu beschützen. Wahrscheinlich ist dies auch gar nicht sinnvoll (dazu mehr in Teil 2 dieser Serie). Die erste wichtige Frage ist, wie wir Eltern damit umgehen. Dabei sind nicht in erster Linie intelligente Antworten gefragt. Vielmehr sind wir herausgefordert, uns zuerst über unsere eigene Meinung und unsere Gefühle klar zu werden. Erst dann können wir eine passende Antwort geben. Denn sind Kinder nicht so feinfühlig, dass sie genau merken, wann wir Eltern nicht authentisch sind?

Wir sollten uns also in einem ruhigen Moment ein paar Gedanken machen. Wie verarbeiten wir Eltern erschreckende Nachrichten? Was fühlen wir dabei, und wie kommen wir mit unseren Gefühlen klar? Der israelische Psychologe Haim Omer schildert die Metapher vom Anker, der über ein Seil mit einem Schiff verbunden ist. Nur ein schwerer Anker kann einem treibenden Boot Halt geben - vorausgesetzt, er ist mit einer stabilen Leine verbunden. Was ist unser Anker als Eltern? Wo ist unser Halt? Woher nehmen wir unser Gewicht, wenn Angst und Schrecken uns begegnen?

Mir persönlich gibt die Bibel immer wieder diesen Halt. Schon als Kind berichtete mir die Bibel über Krieg, Mord und Totschlag. Sicherlich, zunächst erschreckten mich diese Aussagen. Dass aber jahrtausendealte Aussagen heute brandaktuell erscheinen und Gott über diese schrecklichen Dinge Bescheid weiss, sie sogar vorausgesehen hat, tröstet mich. Was wäre, wenn die Bibel über eine heile Welt berichten würde, die Realität aber drastisch davon abweichen würde? Wären dann andere Aussagen, die mir Trost spenden möchten, überhaupt noch glaubwürdig? Also: Gott kennt unsere heutige schwierige Situation! Er weiss sogar nicht nur vom Hörensagen Bescheid, sondern aus eigener Erfahrung: Selbst Jesus hatte Angst.

In der Bibel wird mir nicht versprochen, dass ich niemals werde leiden müssen. Ich kann jedoch darauf zählen, dass Gott mir in allen meinen Nöten mit Trost und Ermutigung zu Hilfe kommt. Dieses Wissen ist mein persönlicher Anker. Es hilft mir dabei, schliesslich auch meinen Kindern Mut zu machen.

Woher nehmen Sie das Gewicht Ihres Ankers, wenn Sie und Ihre Kinder mit der Thematik von Krieg und Terror konfrontiert sind? Möglicherweise beziehen Sie aus ganz anderen Quellen Trost und Kraft. Es lohnt sich jedenfalls, sich darüber Gedanken zu machen - am besten bevor unsere Kinder uns mit ihren eigenen, tiefgehenden Ängsten konfrontieren.

Wer sich näher mit der „Ankerfunktion“ befassen möchte, dem lege ich wärmstens das Buch „Neue Autorität: Das Geheimnis starker Eltern“ von Haim Omer  und Philip Streit ans Herz.



Didier Kramer, Dr. phil. Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. Arbeit in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz. Verheiratet und Vater von zwei wunderbaren, noch immer recht kleinen Mädchen.

Im nächsten Teil dieser Serie erörtert Didier Kramer in einer Woche die Frage, ob wir uns auf Gespräche mit unseren Kindern über Krieg und Terror überhaupt einlassen sollen.

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