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Entspannte Weihnachten mit Kindern

An Weihnachten soll alles perfekt sein. Gerade diese Vorstellung von einem perfekten Fest - festlich, besinnlich, gemütlich und zauberhaft zugleich - sorgt aber dafür, dass die tatsächliche Feier dann oft in Stress ausartet. Statt das Fest entspannt geniessen zu können, sind die Eltern am Ende frustriert und erschöpft. Das muss nicht so sein…

Als unsere Maxis noch Kleinkinder waren, feierten wir Weihnachten je einmal bei meinen Eltern und einmal bei meinen Schwiegereltern, nicht aber als „Kernfamilie“. Damals hab ich mir oft ausgemalt, wie künftig unser ganz eigenes Weihnachtsfest ablaufen würde. Ein grosser, geschmackvoll geschmückter Christbaum gehörte natürlich dazu, gedämpftes Kerzenlicht, ein richtig festliches Menu (mindestens 3-gängig), fröhliche aber dennoch feierliche Stimmung. Ich stellte mir die schön drapierten Geschenke unter dem Christbaum vor, die dann nach dem gemütlichen Essen schön gesittet ausgepackt werden sollten. Natürlich sollte dann auch eine schöne, besinnliche Feier stattfinden, mit ein paar Liedern vielleicht, oder einer Weihnachtsgeschichte.

In meiner Fantasie hatte ich ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail wohl ausgeblendet: Da werden Kinder dabei sein, bei dieser Feier!

Als wir zum ersten Mal Weihnachten nur als Familie feierten, waren die Maxis 4, Midi knapp 1 und Mini in meinem Bauch. Ich hatte tatsächlich ein aufwändiges Menu geplant, hatte schönen Schmuck für den Baum besorgt und mir überlegt, wie wir feiern wollten. Vergessen hatte ich dummerweise die Kerzen für den Baum. Kleiner Tipp: Macht.diesen.Fehler.NIE! Ich habe mindestens 3 Läden abgeklappert, bis ich schliesslich noch ein paar (minderwertige!) Kerzen fand - rote, die überhaupt nicht zum eisblauen Baumschmuck passten.

Wer meine schön-romantischen Pläne allerdings komplett durchkreuzte, war mein Mann - der liess sich ausgerechnet an Heiligabend von einer Grippe flachlegen. Ich bereitete also so gut es ging mit drei hibbeligen Kindern um mich herum Vorspeise und Dessert vor. Den Baum hatte ich alleine schmücken wollen, als Überraschung für die Kinder. Dieser Plan sorgte bei meinen Töchtern allerdings für Tobsuchtsanfälle. Schliesslich schmückten also die Maxis den Baum, wobei etwa die Hälfte der schönen Kugeln in die Brüche ging, und Midi machte sich zeitgleich unbemerkt über die Schokoladen-Tannenzapfen her, die eigentlich ebenfalls für den Baum gedacht gewesen wären.

Völlig entnervt erzählte ich schliesslich die Weihnachtsgeschichte - die Kinder interessierten sich mehr für den batteriebetriebenen Weihnachtsstern auf der Titelseite des Bilderbuchs. Den Plan, auch noch Lieder zu singen, liessen wir fallen. Die Kinder stürzten sich auf ihre Geschenke, überwacht von ihrem mit Medikamenten vollgestopften Vater, während ich in der Küche das Festessen kochte.

Am Tisch dann der nächste Frust. Midi goss ihre Suppe über den festlich geschmückten Tisch, die Maxis fanden die Suppe zu scharf. Der Hackbraten schmeckte allen dreien nicht. Die Nudeln, die ja nur als Beilage gedacht waren, reichten nicht. Das Dessert kam bei allen an, allerdings war bei Midi inzwischen der Forscherdrang stärker, was bedeutete, dass ich mit meinem Dessert-Schälchen in der Hand unseren Christbaum vor einem kletternden Kleinkind beschützte. Letztlich war ich einfach nur froh, als alle Kinder im Bett waren.

Dabei kann das Weihnachtsfest mit Kindern tatsächlich wunderschön und entspannt sein, wie ich in den folgenden Jahren herausgefunden habe. Dafür muss ich allerdings abrücken von meiner Vorstellung von einem „perfekten Fest“ und meine Planung der Realität anpassen.

So werden den Baum die Mädchen gemeinsam schmücken (und ich habe letztes Jahr bewiesen, dass ich in der Lage bin, das Resultat ohne korrigierendes Eingreifen stehen zu lassen). Nebenbei bemerkt ist das das perfekte Nachmittagsprogramm für ungeduldige kleine Weihnachtsfans... Nur für das Anzünden der Kerzen werden die Kinder kurz aus dem Raum geschickt - dieses Staunen, wenn sie dann ins hell erleuchtete Zimmer treten, ist für uns als Eltern immer noch ein Highlight. Das diesjährige Essen fällt relativ einfach aus. Ich habe es schon öfters gekocht, es ist lecker aber nicht aufwändig und lässt sich zum grössten Teil vorbereiten. Die Vorspeise hab ich gestrichen, den Dessert bereits im Voraus zubereitet (Schoggimousse, ganz unspektatulär). Geschenke gibts nur von uns Eltern und Kindern, die Grosseltern-, Götti- und Gott-Geschenke wurden vorgängig ausgepackt oder stehen noch an. Ich habe ein Bilderbuch mit einer Weihnachtsgeschichte besorgt, eine CD mit Weihnachtsliedern auf den iPad geladen (ist nicht so romantisch, aber uns macht es Spass mit iPad zu singen. Singen 2.0 nennt mein Mann das…). Wenn wir Lust dazu haben - und nur dann - werden wir wie im letzten Jahr darüber reden, was wir in diesem vergangenen Jahr erlebt haben und wofür wir dankbar sind.

Eigentlich kann uns nur noch eine in letzter Sekunde zuschlagende Grippe den Abend verderben. Obwohl - haben wir eigentlich tatsächlich noch vom letzten Jahr übrige Christbaumkerzen?

Wie sorgt ihr dafür, dass euer Weihnachtsfest entspannt wird? Habt ihr Tipps und Tricks?





Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, 4 und 2einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Wünscht allen Lesern ein wunderschönes, entspanntes Fest!

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