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"Töpfchen-Training" - der Enthusiasmus sinkt von Kind zu Kind...

Mein Kind wird trocken! Was für viele Mütter und Väter Grund für grosse Begeisterung ist, entlockt Mehrfachmüttern, die die Prozedur schon einige Male durchgemacht haben, unter Umständen eher einen tiefen Seufzer…

Da stehe ich einmal mehr, versuche ein mit Exkrementen verschmiertes Kind aus Hose und Unterhose zu schälen, ohne es auch noch an Beinen und Füssen zu beschmieren. Erfolglos, selbstverständlich…

Unsere Jüngste wird trocken - eine Neuigkeit, die mich bei den Maxis noch in Ekstase versetzte, bei Mini eher lästig fällt… Schliesslich weiss ich inzwischen ganz genau, welchen Aufwand diese ganze Sache mit sich bringt. Die Sauberkeitserziehung ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich meine Einstellung mit der Anzahl Kinder veränderte. Wartete ich Anfangs begierig auf jeden Entwicklungsschritt, versuchte gar, manche Schritte zu beschleunigen, kommen mir inzwischen manche Schritte eher zu früh. Ich würde sie gerne etwas abbremsen, auch weil ich weiss, dass die Kinder hin und wieder von ihrem eigenen Tempo überfordert sind. Oder ich würde sie gern überspringen, weil ich weiss, wie viel Arbeit damit verbunden ist…

Die Maxis waren damals echt früh dran. Ein paar Tage nach ihrem zweiten Geburtstag - wir waren grade in der Toscana in den Ferien - benutzte Maxi1 still und heimlich das im WC stehende Häfi. In meinem Enthusiasmus war dieses winzige, einmalige Erfolgserlebnis für mich der sofortige Startschuss für das Abenteuer „trocken werden“. Noch in den Ferien liess ich die Windel weg. Weiss der Geier, wieso ich für meine beiden noch vollständig auf Windeln angewiesenen Mädchen überhaupt Unterhosen mitgenommen hatte. Jedenfalls hatte ich welche dabei und zog sie meiner Kleinen auf der Stelle an. Die nächsten zwei Tage pinkelte sie gefühlte 10 Hosen voll (hatte ich überhaupt so viele dabei?!), für die Heimfahrt bekam sie Windeln verpasst. Zuhause hatte sie den Bogen dann schnell raus, nur mit dem Stuhlgang hatte sie so ihre Probleme. Den hielt sie oft über Tage hinweg zurück, bis es gar nicht mehr ging - und er in den Hosen landete. Igitt.

Zwei Wochen später weigerte sich Maxi2 ihrerseits, Windeln anzuziehen - obwohl sie ganz offensichtlich eigentlich noch nicht so weit war. In meiner Begeisterung spielte ich mit, und wechselte zwei Wochen lang mindestens 5 mal täglich ihre Hosen. Dann hatte auch sie es mehr oder weniger geschafft.

Allerdings war das frühe Alter der Maxis für mich kein Vorteil. Sie waren schlicht noch nicht in der Lage, vorauszudenken. So kam es regelmässig vor, dass sie an den unpassendsten Orten SOFORT auf die Toilette mussten. Und sofort hiess innert der nächsten Minute. Unzählige Male hielten wir mit dem Auto am Strassenrand an, benutzten Mitarbeitertoiletten in Supermärkten oder schlugen uns auf Spielplätzen in die Büsche (nur leider verfügt längst nicht jeder Spielplatz über Büsche…).

Bei Midi hatte ich es deswegen längst nicht mehr so eilig mit dem trocken werden. Im Sommer, als sie knapp zweieinhalb war, stellte ich draussen jeweils das Häfi neben das Planschbecken, und hin und wieder benutzte sie es. Erst als sie eines Nachmittags drei mal in Folge das Häfi benutzt hatte, beschloss ich freudig, ihre Motivation auszunutzen. Ich hatte mir im Kopf ein Limit von 3 Tagen gesetzt - sollte sie danach noch mehrmals täglich in die Hosen machen, wollte ich die Übung abbrechen. Sie brauchte allerdings grade mal einen Tag, dann war die Sache ausgestanden. Nur mit dem Stuhlgang hatte auch sie die von den beiden Maxis her bekannten Schwierigkeiten, die erst nach zwei unappetitlichen Wochen einigermassen behoben waren. Dafür bin ich mit ihr kein einziges Mal verzweifelt gerannt. Sie sagte stets rechtzeitig, wenn sie eine Toilette brauchte, und konnte auch mal ein paar Minuten „verhebe“.

Und nun also Mini. Als sie vor ein paar Wochen damit begann, gelegentlich von sich aus aufs Häfi zu gehen, war meine erste Reaktion nicht unbedingt Freude. Die Aussicht auf zwei Wochen voller „bist du sicher, dass du nicht noch aufs Häfi musst? Komm, geh doch mal probieren. Oh - ich seh schon, hat sich grad erledigt!“… Darauf hatte ich so gar keine Lust. Und trotzdem, ich hatte immer Angst davor, den richtigen Moment zu verpassen. Dann wenn die Kinder selbst Lust haben, die Windel wegzulassen, gehts halt am Einfachsten. Selbst wenn ein paar Unglücke mehr damit verbunden sind - noch mühsamer fände ich es, ein Kind davon überzeugen zu müssen, auf Häfi oder WC zu gehen, welches eigentlich in der Lage dazu wäre.

Also hab ich mir jetzt doch ein Herz gefasst. Und es stinkt mir gewaltig, im wahrsten Sinn des Worts. Aber trotzdem - zu sehen, wie mein kleines Mädchen plötzlich selbständig innehält, zum Häfi geht und dort ganz ordentlich sein Geschäft verrichtet, das erfüllt mich auch im vierten Anlauf mit Stolz und unbändiger Freude. Wenn ich ehrlich bin ist die Freude darüber so gross, dass sie die Igitt-Momente und aufwändige „Wechsel-Garnituren-für-Unterwegs-Pack-Aktionen“ locker wett macht.





Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, 4 und 2einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Freut sich inzwischen sehr darauf, bald in einem Windel-freien Haushalt zu leben.

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