>

Mobbing - und mein Kind macht mit!





Mitzubekommen, dass das eigene Kind sich an Mobbing beteiligt, kann für Eltern ein echter Schock sein. Wie macht man seinem Kind klar, was es da tut - und dass es damit aufhören soll?
Schulsozialarbeiterin Steffi Marinello gibt Tipps.


Wie kann man Kinder davon abbringen, ein anderes Kind auszuschliessen oder zu mobben?

Also ich thematisiere mit einer Klasse oft die verschiedenen Rollen in einer solchen Geschichte. Da gibt es die Drahtzieher, die Mitläufer, die Zuschauer und die Ausgeschlossenen. Ich rede darüber, wie ein ausgeschlossenes Kind sich wohl fühlt. Und mache grade auch den Mitläufern klar: Auch du bist schuld daran, wenn es diesem Kind nicht gut geht! Es gibt ein Mobbingprogramm, in dem wird als Einstieg folgende Geschichte erzählt: Stell dir vor, ein Kind steht auf dem Dach und will runterspringen. Du stehst unten und schaust zu - und bist mitschuldig daran, dass dieses andere Kind so verzweifelt ist, dass es nicht mehr leben möchte. Stell dir vor, wie du dich in einem solchen Fall fühlst. So was kann man natürlich nicht mit Zweitklässlern machen, da müssen die Kinder schon etwas älter sein. Aber ich finde den Ansatz auf jeden Fall gut, sich in das ausgeschlossene Kind hineinzuversetzen.

Wenn ich mitkriege, dass mein Kind andere ausschliesst… Was soll ich da tun?

Schimpfen bringt meist wenig. Ich kann mein Kind ja nicht zwingen, nett zu anderen zu sein. Deswegen bringt es mehr, das Mitgefühl für Ausgeschlossene zu stärken. Und auch das Kind selber zu stärken! Es braucht Mut, um sich hinzustellen und zu sagen: „Ich will dabei nicht mitmachen!“. Oft haben Kinder ja Angst, selbst ausgeschlossen zu werden, wenn sie nicht mitmachen. Man kann sein Kind ermutigen, andere Kinder zu suchen, die eigentlich auch nicht mitmachen wollen. Dann können diese Kinder sich zusammenschliessen und als Gruppe hinstehen. Das ist viel einfacher.

Wenn das alles nichts bringt, ich aber auf keinen Fall möchte, dass mein Kind weiter mitmacht dabei, jemanden auszuschliessen - ist es übertrieben, dann eine Fachperson um Hilfe zu bitten?

Auf keinen Fall! Das kann durchaus Sinn machen. Und manchmal fällt es einem Kind auch leichter, sich beispielsweise dem Schulsozialarbeiter gegenüber zu öffnen, als mit den Eltern zu reden. Vielleicht rückt es dann erst so richtig damit heraus, weshalb es sich vom Mobbing nicht distanzieren kann. Und wir Fachpersonen haben dann vielleicht die richtigen Tipps für ein solches Kind.

Hast du das auch schon erlebt, dass sich Eltern mit diesem Problem bei dir meldeten, dass ihr Kind mit mobbt?

Ja, die betreffende Mutter war allerdings selbst Schulsozialarbeiterin. In der Klasse wurden immer mal wieder andere Kinder ausgeschlossen, die Drahtzieher waren aber immer dieselben. Das Kind
hatte in diesem Fall Angst davor, selbst ausgeschlossen zu werden. Deswegen hat es mitgemacht beim Ausschliessen anderer Kinder, obwohl ihm eigentlich nicht wohl war dabei.
Die Mutter dieses Kindes hat sich bei mir gemeldet mit der Frage, ob ich nicht etwas unternehmen könne in dieser Klasse. Ich habe dann stark mit den Drahtziehern gearbeitet, habe aber auch den anderen Kindern aufgezeigt, dass auch sie eine Verantwortung tragen.
Das Kind selbst wollte übrigens auch nicht dabei gesehen werden, dass es zu mir kam. Ich hab dann ein Treffen mit ihm abgemacht zu einer Zeit, zu der sonst kein Kind im Schulhaus war.
In dieser Klasse wurde das Klima dann tatsächlich merklich besser.

Und was, wenn das eigene Kind gemobbt oder ausgeschlossen wird? Darüber hat Steffi Marinello kürzlich Auskunft gegeben. Den Artikel findest du hier





Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, knapp 4 und knapp 2einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Wünscht sich, ihren Kindern das Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben zu können, dass sie es wagen, sich gegen Unrecht zu stellen.

0 Kommentare



Passwort vergessen?






kommentieren

Bitte anmelden um Kommentare zu erfassen.