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Das perfekte Weihnachtsgeschenk

Wer seine Kinder nicht zu sehr mit Spielzeug überhäufen möchte, dem bereiten die Weihnachtsgeschenke unter Umständen Kopfzerbrechen. Sinnvoll sollen sie sein, nicht zu teuer - und den Kindern trotzdem Freude machen.
Hin und wieder nimmt die Suche nach dem perfekten Geschenk dann extreme Züge an…


Wir schreiben den 1. Dezember - und ich hab doch tatsächlich bereits alle Weihnachtsgeschenke für unsere 4 Töchter besorgt und allen Gottis, Göttis und Grosseltern Ideen gesteckt. Rekordverdächtig!
Und wie auch immer unsere Töchter am Ende beim Auspacken ihrer Geschenke reagieren werden - ich kann mir zumindest nicht den Vorwurf machen, ich hätte zu wenig Denkarbeit in die Geschenk-Planung gesteckt.
Im Gegenteil, so im Nachhinein beschleicht mich eher das Gefühl, dass etwas weniger Aufwand auch nicht geschadet hätte. Meine Kriterien waren halt vielfältig. Sinnvoll sollten die Geschenke sein, nicht so gross, dass die Kinder damit zu sehr verwöhnt würden, nicht zu teuer (aber auch kein Ramsch, dann lieber ein anständiges Geschenk für das mehrere Partien zusammenlegen), eine gute Mischung aus praktischen Dingen und „Herzensgeschenken“ von den Wunschzetteln.
Spielzeug brauchen unsere Kinder eigentlich kaum mehr. Die Maxis haben sich nie gross für Playmobil und Co begeistert, spielen lieber Rollenspiele und nutzen dafür alle Alltagsgegenstände, die sie finden können („was, bitteschön, hat denn mein Schneebesen im Kinderzimmer verloren? Und der Putzeimer? Und wieso stehen Trittleiter, Trottinett und Häfi schön aufgereiht vor der Küchentür?“). Midi hat das ganze ungenutzte Playmobil der Grossen übernommen (wobei das zugegeben nicht wahnsinnig viel ist). Und Mini klaut eh permanent das Spielzeug ihrer drei grosser Schwestern, wozu also braucht sie eigenes? Da machen allenfalls Puzzles, CDs oder Bücher Sinn.
Andrerseits, wenn eines der Kinder sich nunmal unbedingt ein Spielzeug wünscht, von dem ich bereits im Voraus weiss, dass es nur ungenutzt in der Ecke steht - ist das dann im Endeffekt nicht sein Problem? Hat es dann nicht selber „einen Wunsch verpulvert“, den es für Sinnvolleres hätte einsetzen können? Zumindest ein solches Spielzeug darf deswegen bei uns unter dem Baum liegen* - Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Kinder dafür dann von einem anderen, alten Spielzeug trennen.
Bastelmaterial ist super - aber je mehr Bastelmaterial, desto mehr Gebasteltes - und wo soll das denn nur wieder hin?
Unser Fuhrpark platzt mit all den Trottis, Velos, Laufrädern, Dreirad und Bobbycar ohnehin schon aus allen Nähten, und die Kleinen übernehmen da jeweils von den Grossen.
Kleider haben Midi und Mini dank dem doppelten Kleiderschrank der Maxis ohnehin mehr als genug, und die Maxis ihrerseits wechseln regelmässig mitten im Jahr die Grösse, so dass es unmöglich ist, bis Weihnachten zu warten um ihre Garderobe zu erneuern.
Bleiben die wirklich praktischen Dinge wie Rucksäcke, Taschenlampen, Schlafsäcke, Wecker oder Bettbezüge. Bei denen dann oft eine ausführliche Recherche nötig ist, um ein Produkt mit vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis ausfindig zu machen. Ist vielleicht auch berufsbedingt, dass ich Geschenke nur nach ausgiebiger Recherche aussuchen kann.
So verbringe ich regelmässig vor Weihnachten wochenlang Abend für Abend vor dem Computer (meine Recherchen sind normalerweise onlinebasiert), google und schreibe Listen. Wenn ich dann die Ideen habe, gilt es, sich mit allen Gottis, Göttis und Grosseltern abzusprechen, was wiederum ein ausgeklügeltes Listen-System erfordert. Schliesslich soll am Ende dann ja wie erwähnt auch die Mischung stimmen…
Wenn ich es dann endlich geschafft habe, auch noch unsere Geschenke zu besorgen (ja - auch das in der Regel online), dann ist meine „Weihnachts-Energie“ meist dermassen aufgebraucht, dass ich die zugestellten Pakete nicht mal mehr öffne (was irgendwann böse enden könnte, wenn ich Last Minute ein Geschenk würde einpacken wollen, was sich aufgrund irgend eines Fehlers nicht im Paket befindet…).
Da bin ich nun also einmal mehr… Und frage mich, ob ich nicht doch etwas übertreibe. Gerade weil ich die Kinder nicht zu sehr verwöhnen möchte, stecke ich Energie und Zeit im Übermass in die Geschenkeplanung. Mit so viel Aufwand das perfekte Geschenk zu suchen - ist das bereits wieder eine andere Art von Verwöhnung?


*In ihrem Kinderbuchklassiker „Madita“ redet Astrid Lindgren in diesem Zusammenhang von „Seligkeitsdingen“. Was für ein grandioser Ausdruck… Neben allen praktischen und wirklich brauchbaren Geschenken wünsche ich meinen Töchtern doch ab und zu auch genau das - ein Seligkeitsding unter dem Christbaum.





Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter im Alter von 7, 7, knapp 4 und knapp 2einhalb), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Liebt es, von ihr Beschenkten dabei zuzusehen, wenn sie ihre Geschenke auspacken.

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