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Als Mami krank werden - geht nicht!

Mamis können es sich schlicht nicht leisten, krank zu werden. Schliesslich ist es insbesondere mit kleinen Kindern unmöglich, sich in Ruhe auszukurieren. Und nicht jeder Arbeitgeber hat Verständnis, wenn Papa sich frei nimmt, um zu Hause der kranken Ehefrau Bettruhe zu ermöglichen.
So kommt es, dass Mamis manchmal direkt froh sind, wenn eine Krankheit sie ausgerechnet am Wochenende oder in den Ferien heimsucht…


Es ist Samstagmorgen, und mein schmerzender Hals, der Schüttelfrost, die Gliederschmerzen lassen keine Zweifel offen: Ich bin krank. Und das ausgerechnet am Wochenende. Jackpot! Ich drehe mich im Bett nochmal um - und freue mich.

In den letzten sieben Jahren, also seit ich Kinder habe, ist dieser Glücksfall höchst selten eingetreten: Ich bin krank und mein Mann ist anwesend, kann also den Laden schmeissen während ich mich auskuriere. Zumindest zwei Tage lang kann ich mir Bettruhe gönnen. Und das mit ruhigem Gewissen, schliesslich sind die Kinder bei ihrem Vater in den allerbesten Händen.

Um Missverständnissen vorzubeugen - ich war sehr wohl immer mal wieder krank in den letzten Jahren. Nur haben mich all die Viren und Bazillen meist zu einem Zeitpunkt heimgesucht, zu dem ich keine Wahl hatte als mich mit Hilfe aller verfügbarer Medikamente irgendwie durch den Alltag zu schleppen. Unvergessen jene Magenverstimmung, bei der ich über der WC-Schüssel hing, während meine damals zweijährige Älteste trotzend neben mir am Boden lag und schrie, ich solle gefälligst endlich vom WC wegkommen. Oder die fiebrige Erkältung, während der ich nachts mit heftigem Schüttelfrost meine neugeborene Tochter stillte und mir ernsthafte Sorgen machte, sie quasi aus meinen Armen zu schütteln. Oder die grandiose Woche vor einem Jahr, in der ich eines morgens mit gleich zwei hoch fiebernden Töchtern beim Kinderarzt aufkreuzte und mit der Diagnose Scharlach nach Hause zurückkehrte, nur um gleich wegen Tochter Nr 3 anzurufen, die sich mit hohem Fieber vom Kindergarten nach Hause geschleppt hatte - auch bei ihr war Scharlach ausgebrochen - und Abends die mir nun bereits nur zu gut bekannten Symptome auch noch bei mir selber zu bemerken. Kaum war ich halbwegs wieder auf den Beinen (soll heissen, in der Lage mich mit Hilfe von Medikamenten einen Tag lang auf den Beinen zu halten), kam mein Mann Mittags von der Arbeit nach Hause - und legte sich krank ins Bett. Ins Bett! Dahin, wo ich mich die letzten Tage so verzweifelt hingesehnt hatte.

Überhaupt muss ich gestehen, dass mich öfters der nackte Neid packt, wenn der grossartige Vater meiner Töchter sich halbkrank durch die Woche schleppt, nur um sich dann am Wochenende endgültig krank ins Bett zu legen. Wie oft hab ich mir dann schon gewünscht, eine Krankheit auch mal in Ruhe auskurieren zu können… Dem Partner eine Krankheit zu missgönnen - das scheint mir doch ein Symptom fortgeschrittener Erschöpfung zu sein (oder aber ein Zeichen für krankhaften Neid - aber das schliesse ich bei mir jetzt mal grosszügig aus).

In den allermeisten Fällen allerdings scheint mein Körper genau zu wissen, dass er es sich nicht leisten kann, so richtig krank zu werden. Was bedeutet, dass ich in regelmässigen Abständen angeschlagen bin, mich krank fühle, ohne dass die Krankheit richtig ausbrechen würde. Fieber kriege ich so gut wie nie, meist bleibt es bei Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Zu viel, um wirklich leistungsfähig zu sein, zu wenig, um mir Hilfe zu organisieren und mich zu erholen.

Diesmal aber wars anders. Die Angina hat mich voll erwischt, auch nach dem Wochenende wäre ich nur schwer in der Lage gewesen, den Alltag mit unseren vier Töchtern halbwegs vernünftig zu meistern. Mein Mann hätte frei nehmen müssen - wären da nicht meine Eltern gewesen, die wie selbstverständlich zwei Tage lang übernahmen. Ich hab mich also vier ganze Tage lang erholen können - was für ein Luxus.
Diese Angina und ich, wir sind so richtig gute Freunde geworden. Die kleine Atempause, die sie mir verschafft hat, sie kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Dank ihr bin ich nun auch wieder gerüstet für die nächsten paar Chäfer, die ich nicht werde auskurieren können.






Michelle Boss
, 34, Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter zwischen 2 und 7 Jahren), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch. Ist normalerweise defintiv lieber gesund als krank.

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