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Die perfekte Mutter? Nein Danke!

Es ist unmöglich, als Mutter immer alles richtig zu machen. Und dennoch haben wir oft dieses Idealbild einer perfekten Mutter im Kopf. Inzwischen habe ich den Plan, ein perfekte Mutter zu sein, aber aufgegeben. Und zwar aus Prinzip!

„Was wir als Eltern gerne besser machen würden“ - die Zeitschrift „Leben&Erziehen“ hat (im Rahmen der Blogparade #ichwürdegerne) dazu aufgerufen, zu diesem Thema Beiträge zu verfassen. Tolles Thema, war mein erster Gedanke. Dazu fällt mir bestimmt was ein.

Ist auch so. Sätze, die mit „ich würde gerne“ beginnen, kann ich dutzendweise aus dem Handgelenk schütteln, ohne lang zu überlegen.
Ich würde gerne weniger schimpfen, mich viel weniger schnell ärgern. Ich wäre demnach gerne geduldiger, gelassener. Ich würde gerne noch viel mehr lachen mit meinen Töchtern. Ich würde gerne die Energie aufbringen, um mehr mit meinen Kids zu unternehmen, wäre gern abenteuerlustiger. Ich hätte gern mehr Spass daran, stundenlang mit meinen Vorschulkindern Rollenspiele zu spielen.

Ich würde gern jedes einzelne Menu von A bis Z selber Kochen, ohne für die Wähe auf Fertig-Kuchenteig oder auf Gnocchi aus dem Kühlregal zurückzugreifen. Ich würde gern mehr mit meinen Kindern basteln - so richtig, mit selbst im Wald gesammelten Tannenzapfen und Kastanien, mit Acrylfarbe und allem drum und dran. Und ich wünschte, ich würde das auch noch gern machen.

Ich würde gern öfters mit meinen Töchtern in den Wald gehen, ein Feuer machen, Würste braten. Ich würde gern vor jedem Essen dran denken, die Kinder zum Hände waschen aufzufordern. Ich würde gern dafür sorgen, dass unser Haus stets ordentlich aufgeräumt und sauber geputzt ist. Ich hätte gern mehr Flair fürs Dekorieren und würde uns alle mit einem immer wieder neu dekorierten Haus erfreuen.

Ich würde gerne disziplinierter zweimal wöchentlich Sport treiben. Ich würde gerne jeden Morgen genug Zeit aufbringen, um stets perfekt gestylt das Haus zu verlassen. Ich würde gern damit aufhören, Stress und Frust mit dem Konsum von Süssigkeiten zu kompensieren. Gleichzeitig würde ich gerne meinen Töchtern ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper vorleben und vermitteln. Ich würde gern…

Insgesamt liesse sich das alles ganz leicht zusammenfassen: Ich wäre gern die perfekte Hausfrau, Mutter, Ehefrau. Würde dazu gerne aussehen wie als junge, kinderlose Mittzwanzigerin. Und wäre gern auch noch beruflich erfolgreich.

Andrerseits… Will ich das alles wirklich? Würde ich niemals straucheln, hätte ich mit keinerlei Fehlern zu kämpfen, müsste ich mich niemals bei meinen Töchtern entschuldigen - wie sollte ich ihnen dann die Fähigkeiten beibringen, die mir so wichtig sind? Die Fähigkeit nämlich, sich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen, aus Fehlern zu lernen, sich selbst auch mit seinen Schwächen zu lieben, sich bei anderen zu entschuldigen und sich selbst zu vergeben?

Was können gerade Töchter von einer (scheinbar) perfekten Mutter lernen, wie sollen sie sich entfalten, ohne sich entmutigen zu lassen?
Deshalb - ich revidiere alles bisher Gesagte. Und setze neu an: Ich würde gerne noch ehrlicher zu meinen Schwächen stehen. Ich würde gerne mit meinem ganzen Leben meinen Töchtern vermitteln, dass es okay ist, Fehler zu machen. Dass man an sich arbeiten kann - sich selber aber dennoch auch mit seinen Schwächen gern haben kann. Ich würde mich gern noch öfter bei meinen Kindern entschuldigen. Und - ich würde mir gern öfter selber zusagen: Du bist ok so, wie du bist - und du bist als Mutter gut genug!






Michelle Boss
, 34, Königstochter (so nennen ihre Töchter Menschen, die an Gott glauben), Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter zwischen 2 und 7 Jahren), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch

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