>

Aus Lust wird Frust - wenn Abends die Nerven blank liegen

In den meisten Familien ist der Abend der kritische Teil des Abends. Die Kids sind müde, werden quengelig und dünnhäutig - und bei den Eltern sind die Akkus ebenfalls bald leer… Da braucht es oft nicht viel, damit ein eben noch fröhlicher Tag „kippt“. Unsere Blog-Autorin erzählt von einem solchen Abend.

Nach einem hektischen Tag im Büro freue ich mich umso mehr auf meine wunderbaren Mädchen, die den heutigen Tag mit ihrem Papa verbringen durften. Zuhause angekommen nutze ich die letzten stillen 5 Minuten um alles aufzuräumen, damit ich nachher mit einem freudigen Lächeln auf dem Gesicht meine Familie empfangen kann. Heute muss ein guter Tag gewesen sein: Trotz des sich nähernden kritischen Teils des Tages scheinen beide Mädchen bestens gelaunt zu sein - Papa-Tag eben. Mein Mann muss los und ich übernehme die beiden Wirbelwinde. Nach einer halben Stunde bittet mich meine kleine Tochter, mit ihr noch kurz auf den Spielplatz zu gehen, um zu schaukeln.
 
Normalerweise begeben wir uns um 17.30 eher in die Wohnung als auf den Spielplatz, aber heute schafft meine Tochter es, mich zu überzeugen. Wir ziehen mit Kinderwagen und Trottinett los. Um "kurz auf den Spielplatz zu gehen" benötige ich viel Geduld und Zeit: Meine Tochter muss im Moment jeden Schacht auf dessen Inhalt überprüfen (Wasser ja oder nein?) und das gestaltet sich auf den ca. 500m zum Spielplatz als eine eher langwierige Sache. Trotzdem schaffen wir es noch auf den Spielplatz und geniessen dort ein paar schöne Minuten zu dritt.

Auf dem Heimweg dann die erste Krise. Die Einjährige möchte nicht im Kinderwagen sitzen und die Grosse schmeisst frustriert ihr Trottinett weg (habe ich etwas verpasst?). Ich werde innerlich etwas ungeduldig. Bin selber müde und hungrig und möchte eigentlich lieber zuhause in der Küche als hier auf der Strasse stehen. Eine ältere Dame fährt auf dem Velo an mir vorbei und wirft mir einen mitleidigen Blick zu. Ich muss lachen – schön, dass es Menschen gibt, deren Kinder tatsächlich nie einen Trotzanfall hatten - und schaffe es, die letzten Meter nach Hause zu gehen. 

Zuhause angekommen die nächste Krise: ich möchte das Shirt meiner Ältesten waschen, sie möchte es aber nicht ausziehen. Innerlich werde ich kribbelig; habe ich doch extra meinen Zeitplan über den Haufen geworfen, um den Mädchen ein paar schöne Minuten zu schenken - und jetzt das. Irgendwie finde ich, dass meine Grosse mir doch jetzt auch einen Gefallen "schuldet" - auch wenn mein Verstand mir sagt, dass ich das von einem 2.5 Jahre alten Kind kaum erwarten kann. 
Auch das ins Bett gehen gestaltet sich an diesem Abend als eher mühsam. Während die Kleine schlafen will, möchte die Grosse, ihr könnt es ahnen: schaukeln. Da platzt mir, genervt und müde, endgültig der Kragen und ich werde laut – RICHTIG LAUT!

Zu guter Letzt liege ich zwischen beiden schlafenden Mädchen im Bett und lasse meinen Tag Revue passieren. "Aus Lust wird Frust“ - das habe ich heute Abend erlebt: Aus einem fröhlichen nach Hause kommen mit einem schönen Spielplatzbesuch wird ein, nach meinem Empfinden, schwieriger Abend - zumindest bis beide Kinder schlafen. Bevor mich meine Selbstzweifel zum Thema «was hätte ich besser machen können» auffressen, schnappe ich mir ein Buch und gönne mir ein paar ruhige Minuten. Und am nächsten Morgen nach dem Aufstehen und einer liebevollen Umarmung meiner Tochter weiss ich: so eine Rabenmutter kann ich doch nicht sein. 







Michèle Schwendimann, 31, passionierter Familienmensch (verliebte Ehefrau & Mutter von 2 Mädchen), überzeugte Dosen-Cola-Trinkerin und leidenschaftliche Salat-Esserin, ordnungsliebend ohne Putzfimmel, liebt ihre Arbeit und träumt gerne ganz GROSS.

0 Kommentare



Passwort vergessen?






kommentieren

Bitte anmelden um Kommentare zu erfassen.