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Trennungsangst - Wenn das Kind auf keinen Fall von Mami weg will

Jede Mutter ist hin und wieder darauf angewiesen, ihr Kind einer anderen Betreuungsperson zu überlassen - und sei es nur für den Besuch beim Zahnarzt. Wenn ein unter derart grosser Trennungsangst leidet, dass es beinahe unmöglich ist, das Kind selbst kurz abzugeben, kann das für die Mutter zu einer grossen Belastung werden.

Kürzlich im Gipfelitreff: Eine Mutter sitzt entspannt beim Kaffee, strahlt über das ganze Gesicht - schon seit 10 Minuten ist ihr Kind in der „Hüeti“, von Geschrei keine Spur. Es ist eine kleine Premiere. Lange Zeit war dieses Kind durch nichts dazu zu bewegen, bei den anderen Kindern zu bleiben. Es schrie jeweils wie am Spiess, war ausser sich, bis die Mutter es schliesslich wieder zu sich holte.

Wir unterhalten uns darüber, welche Erfahrungen wir mit dem Abgeben unserer Kinder gemacht haben. Die Unterschiede sind riesig, das zeigt sich auch in diesem Gespräch. Während sich manche Kinder selbst im klassischen „Fremdel-Alter“ völlig unproblematisch selbst von fremden Personen auf den Arm nehmen lassen, fällt es anderen jahrelang schwer, sich von den Eltern zu trennen. Einige Mütter nehmen das gelassen hin. Andere leiden sehr darunter und wünschen sich verzweifelt wieder mal etwas Zeit für sich. In unserer „Kafi-Klatsch-Runde“ können wir das Problem für niemanden lösen - einfache Rezepte funktionieren meist nicht, das wissen wir alle. Wir tauschen aus, welche Erfahrungen wir mit unseren eigenen Kindern gemacht haben.

Eine Mutter berichtet, wie sich ihr Kind phasenweise nicht mal von den Grosseltern beaufsichtigen liess - entsprechende Versuche wurden jeweils nach kurzer Zeit entnervt abgebrochen. Eine andere Mutter hatte die Erfahrung gemacht, dass sie ihr Kind am besten ablenkte und dann unbeobachtet davonschlich - wenn das Kind dann ihre Abwesenheit bemerkte, war es schon so ins Spielen vertieft, dass es die Mutter kaum vermisste. Die selbe Methode hatte bei einem anderen Kind allerdings schon zur totalen Katastrophe und einem regelrechten hysterischen Anfall geführt. Dafür reagierte dieses Kind schon früh sehr gut darauf, wenn man ihm genau erklärte, was Mami nun vorhatte und wann sie wieder zurückkommen würde.

Eine meiner Töchter schrie jeweils wie am Spiess, wenn sie merkte, dass ich vorhatte zu gehen. Egal was ich machte - das Kind schrie. Jedes. Einzelne. Mal. Bald allerdings merkte ich - wenn ich das schreiende Kind einer Betreuungsperson auf den Arm geben konnte, hörte das Geschrei auf, kaum dass ich aus der Tür war. Immer. (Ich blieb jeweils um die Ecke stehen, um zu schauen, was passierte). Das Kind spielte dann jeweils ganz zufrieden bis zu meiner Rückkehr.

Andere Kinder lernen in Angeboten wie dem Gipfelitreff in winzig kleinen Schritten, sich immer mehr von Mami (oder Papi) zu lösen. Bei Manchen braucht das viiiel Geduld. Die Mütter sitzen über Monate jedes Mal spätestens nach 5 Minuten mit einem schniefenden Kleinkind auf dem Schoss am Tisch. Und dann, plötzlich, beobachten wir, wie die Kinder mutiger werden. Sie wollen vielleicht erst noch etwas bei Mami sitzen, lassen sich dann aber für den Znüni von einer Hüterin abholen. Und irgendwann - auch das haben wir schon erlebt - marschieren sie plötzlich freiwillig in die Hüeti und bleiben auch da. Und das ganz ohne Geschrei.

Der Gipfelitreff findet ausserhalb der Schulferien jeden zweiten Mittwoch von 9:30 - 11 Uhr im gate27 in Winterthur statt. Mehr Infos gibts hier
Eine weitere Möglichkeit, wie Kinder die Trennung von Mama oder Papa üben können, ist die Chinderhüeti Bärliland, in der Vorschulkinder während 2,5 Stunden professionell betreut werden. Alle Infos dazu hier






Michelle Boss
, 34, Königstochter (so nennen ihre Töchter Menschen, die an Gott glauben), Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter zwischen 2 und 7 Jahren), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch

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