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Kleiderbörse Buntspächt - nicht nur bei Insidern beliebt







Ein noch junger Arbeitszweig des Vereins Stägetritt ist die Kleiderbörse Buntspächt. Vor bald 2 Jahren hat sie erstmals ihre Tore geöffnet, damals noch im Seminarraum des Gate27, der jeweils Abends wieder komplett leergeräumt werden mussten.
Inzwischen ist der Buntspächt in einen eigenen Raum im Untergeschoss gezogen und begrüsst regelmässig neue Kunden aus der Region Winterthur.
Im Interview erzählt die Leiterin Lydia Caviezel, wie es im Buntspächt so läuft.

Lydia, wie bist du auf die Idee gekommen, für den Stägetritt eine eigene Kleiderbörse auf die Beine zu stellen?
Ich hatte an einer Stägetritt-Sitzung den Eindruck, das Gott zu mir sagt, der Verein Stägetritt solle eine Kleiderbörse gründen. Die Idee hat mich nicht losgelassen, und ich hab dann das Gespräch mit den Stägetritt-Verantwortlichen gesucht. Sie waren grundsätzlich positiv gestimmt, gaben mir aber den Auftrag, ein Team zusammenzustellen und ein Portfolio zu erstellen. So etwas hatte ich bis dahin noch nie gemacht, und gemeinsam mit einem kleinen Team musste ich mir dann alles von Grund auf erarbeiten.
Schliesslich bekamen wir vom Stägetritt-Vorstand das „Go“ - und dann ging die Arbeit erst richtig los. Ich habe erlebt, wie Gott uns bei der Planung des Buntspächts unterstützte. So bekamen wir von einer Firma rollbare Möbel zur Verfügung gestellt - 3 Jahre lang dürfen wir sie kostenlos nutzen. Dafür hätten wir sonst 15’000 Franken ausgeben müssen, das hätte unser Budget gesprengt.

Welche Ziele hattet ihr im Voraus?
Zu Beginn hatten wir zwei Ziele: Wir wollten TeilnehmerInnen von HEKS-Visite oder HEKS-Teillohn eine Mitarbeit ermöglichen und so unseren Beitrag zur Arbeitsintegration leisten. Und daneben sollte die Börse Familien aus der Region Winterthur mit erschwinglichen Kleidern im Budget entlasten.
Im Planungsprozess haben wir schnell gemerkt, dass wir uns zu Beginn mal auf eine der beiden Punkte konzentrieren müssen. So bleibt die Arbeitsintegration zur Zeit Zukunftsmusik. Im Moment fehlen uns dazu schlicht die Ressourcen.

Der Buntspächt ist ja recht versteckt im  Untergeschoss des Gate27 - kommen denn auch Leute her, die nicht vorher schon einen Bezug zur FEG WInterthur oder dem Gate27 hatten?
Definitiv! Ich würde sagen 80% unserer Kunden sind Leute, die ich sonst nicht in der FEG Winterthur sehe. Wenn ich unsere Kunden zum ersten Mal sehe, frage ich immer, wie sie auf uns aufmerksam geworden sind. Schon oft sind Leute einfach vorbeispaziert und haben unsere Tafel gesehen, die wir jeweils vor dem Gate27 aufstellen. Die kommen dann spontan und schauen rein. Andere haben in der Mütterberatung einen Flyer gesehen, wir haben dort überall Flyer gestreut. Zudem haben wir eine Facebook-Seite und sind auf einem Online-Börsenverzeichnis vertreten - wieviele Kunden dort auf uns stossen, weiss ich allerdings nicht genau.
Man könnte natürlich noch mehr Werbung machen, die Flyer grossflächiger verteilen beispielsweise. Dafür fehlen halt schon die Ressourcen. Aber es spricht sich herum, dass es uns gibt - viele Kunden sagen mir: „Oh, davon muss ich gleich meiner Nachbarin erzählen, die sucht auch immer schöne, bezahlbare Kleider.“

Läuft es denn gut?
Ich finde, es hat schon Luft nach oben. Wir können uns aber gut über Wasser halten - wir können unsere Kunden ausbezahlen und Verbrauchsmaterial anschaffen - Gewinn machen wollen wir ja nicht unbedingt. Wir haben etwa 70 Kunden in der Kartei, die uns mehr oder regelmässig Kleider zum Verkauf bringen, damit sind wir sehr zufrieden. Grundsätzlich läuft es also nicht schlecht.

Was passiert mit den Kleidern, die nicht verkauft werden?
Nach einer gewissen Zeit sortieren wir die Kleider aus. Nach einer schriftlich vereinbarten Frist muss der Kunde seine aussortierten Kleider abgeholt haben - was danach noch bei uns bleibt wird halbjährlich gespendet. Wir spenden Säckeweise an die Organisation „Licht im Osten“.

Wie gross ist der Aufwand, den ihr für den Buntspächt betreibt?
Ehrlich gesagt, ich habs mir einfacher vorgestellt. Man muss an sehr Vieles denken. Wir haben viele Mitarbeitende, und der Informationsfluss ist ziemlich aufwändig.
Allerdings war der Aufwand zu Beginn noch viel grösser. Da hatten wir keinen eigenen Raum. Wir mussten also jeden Donnerstag am Morgen sämtliche Gestelle aus dem Keller holen und alles aufstellen, nur um dann Abends wieder alles im Keller zu verstauen. Das war wahnsinnig stressig, und ich war kurz davor, aufzugeben. Dann kam die Möglichkeit, einen eigenen Raum im Untergeschoss zu beziehen. Das hat uns schon sehr stark erleichtert!
Neuerdings ist der Raum übrigens etwas bunter: Der Urban Art-Künstler Marcel Spiess hat uns einen grossartigen Buntspecht an die Wand gesprayt!

Den Herstellungsprozess des Buntspechts hat Marcel Spiess mit seiner Kamera dokumentiert - wir haben darüber berichtet. Ihr findet den Beitrag hier

Die Kleiderbörse Buntspecht ist immer Donnerstags geöffnet. Sie befindet sich im Gate27 an der Theaterstrasse 27 in Winterthur. Mehr Informationen gibts auf der Stägetritt-Homepage






Michelle Boss
, 34, Königstochter (so nennen ihre Töchter Menschen, die an Gott glauben), Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter zwischen 2 und 7 Jahren), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch

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