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Gegen Aussen wirkt alles ganz anders

Ein überaus aktives Kleinkind, drei auch noch nicht so richtig grosse weitere Kinder im Bücherrausch, eine Mutter - und eine Bibliothek. Die Kombination riecht nach Ärger. Doch manchmal enden die nervraubendsten Situationen überraschend ermutigend.
Wie ein schweisstreibender Bibliotheksausflug für unsere Bloggerin in einem überraschenden Kick fürs Selbstbewusstsein endete...


Ein abenteuerlustiges Kleinkind und eine Bibliothek - eine schwierige Kombination. Hab ich mir grad kürzlich wieder mal selbst bewiesen. Zugegeben, ich hab das Schicksal herausgefordert, indem ich den Buggy im Auto liess. Mini sitzt da nämlich nicht gern drin und wird schnell ungeduldig - und zwar so, dass alle es hören. Na ja, wird schon ohne gehen, dachte ich. 

Ging auch, irgendwie. Am Anfang wars ja ganz lustig, wie Mini massenhaft Bilderbücher anschleppte und ständig „vezeeeellä“ schrie, während ich mit der Rückgabe der fertig gelesenen Bücher beschäftigt war. Nur verlegte sie sich dann dummerweise auf die Taschenbücher. Die stehen in diesen grossen Drehständern. Was für ein grossartiges Spielgerät! Ständer drehen und aus dem drehenden Turm so viele Bücher wie möglich rausreissen - Mini war begeistert. Ich versuchte also gleichzeitig den Turm im Sturz aufzufangen, herausgerissene Bücher wieder einzusortieren, ein paar spannende Bücher für mich selbst auszusuchen und meine 6jährige davon zu überzeugen, dass eine schwierige Variante des Monopoly-Spiels für sie schlicht noch keinen Sinn macht.
Die andere 6jährige suchte sich inzwischen 5 Bücher über Einhörner aus - „weisch, die musst du mir dann nicht vorlesen, ich les die alleine…“ Das sie noch gar nicht wirklich lesen kann, ist dabei noch mein kleinstes Problem. 

In dem Moment kommt Midi in verdächtig verklemmter Pose: „Ich muss mal…“. Also Midi und Mini unter den Arm geklemmt und zwei Stockwerke runter aufs WC. Zurück zwischen den Büchern erst mal die Auswahl der Maxis durchgehen - in der Zeit hat Mini ihre Schuhe ausgezogen und zwischen den Büchern „eingeordnet“. Egal, die stehen da für den Moment ganz gut. Midi will in den vorderen Bereich und nach Bilderbüchern schauen. Mini will da auf keinen Fall hin. Ich zwinge sie mit sanfter Gewalt dazu, muss aber meine Tasche mit den Büchern stehenlassen, was den Maxis gar nicht passt. 

Als ich schliesslich mit der vollen Tasche neuer Bücher erneut an der Theke stehe, komme ich mir vor als hätte ich mindestens den Ironman hinter mir. Verschwitzt, unter einem Arm ein Kleinkind, in der Hand zwei Schuhe stehe ich da. Die Bibliothekarin schaut staunend auf die vier Kindergesichter neben mir: „Sind das ALLES Ihre? Wie SCHAFFEN Sie das bloss?“. Resigniert zucke ich die Achseln… „Sie sehens ja…“ Und ergänze in Gedanken: „komplett überfordert, am Rande des Nervenzusammenbruchs… so unfähig, dass die Bibliothek dank meiner Truppe jetzt aussieht als wäre ein Tornado durchgefegt…“. Die Bibliothekarin lächelt mich an: „Ja, ich sehs… Ganz ruhig, geduldig - unglaublich wie gelassen sie bleiben können!“

Öh…dazu sag ich jetzt lieber nix. Und lasse das Kompliment genüsslich auf mich wirken.
Memo an mich - nicht immer wirke ich nach aussen genau so, wie ich auf mich selber wirke... Wie beruhigend!

Kennt ihr das auch, dass ihr ganz anders wahrgenommen werdet, als ihr euch fühlt? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!






Michelle Boss
, 34, Königstochter (so nennen ihre Töchter Menschen, die an Gott glauben), Ehefrau, Mutter (4 fabelhafte Töchter zwischen 2 und 7 Jahren), freie Radioredaktorin, Ungern-Bastlerin aber begeisterte LEGO-, Puzzle- oder Möbel-Zusammenbauerin, Vielleserin und -Vorleserin, Beziehungsmensch

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